Hochsommer an den Sauerland-Seen

Sonnenaufgang

Ein trüber Tag im Hochsommer

Kann sehr erfolgreich sein - Kapitaler Zander vertikal im Freiwasser gefangen

Kapitaler Freiwasserhecht biss auf einen 15cm-Wobbler in vier Meter Wassertiefe

Schöne Blaufelchen aus dem Listersee

still ruht der See...

Über das aktuelle, angelfischereiliche Geschehen in der warmen Jahreszeit berichtet ein echter Kenner der Sauerland-Seen...

Sommerzeit bedeutet für die Angelfischerei meist, dass die Fische wieder etwas träger werden. Nach dem Hunger aus dem Frühjahr ist nun auch die Laichzeit vorbei, die Fische sind erholt und das Wasser erwärmt sich zusehends. So haben wir selbst in den „kühlen“ Sauerland-Seen schon an der Oberfläche Wassertemperaturen über 25 Grad. Einige Fische mögen das wärmere Wasser gar nicht, so Seeforellen, Seesaiblinge und Renken, aber auch größere Hechte. Sie verziehen sich nun aus dem Flachwasser in tiefere Freiwasserbereiche, wo sie vom Ufer aus schwerer zu erreichen sind. Dafür sind warmwasserliebende Fische wie Karpfen, Schleien, Brassen, Zander und Aale nach wie vor sehr aktiv. Zander verlagern die Jagdzeiten in die Dunkelheit und so werden aus den Sauerland-Seen immer wieder gute Fänge bei Dunkelheit gemeldet. Das nun erlaubte Nachtangeln vom Ufer kann im Sommer sehr erfolgreich sein.

Tagsüber bei prallem Sonnenschein geht selten viel. In der Nähe von Badestellen ist vor allem in der Ferienzeit das Fischen an einigen Seen nun teils unmöglich. Diebezüglich sind zudem die fischereilichen Bestimmungen auf dem FEV zu beachten. Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier das Mittel der Wahl.

Durch die guten Lichtverhältnisse unter Wasser gehen die Fische eher auf Tauchstation, um sich vor Verfolgern innerhalb und außerhalb des Wassers zu schützen. Es findet dann auch tagsüber kaum noch Mückenschlupf statt.  So verlagern sich die Beißzeiten generell eher auf die frühen Morgen- bzw. späten Abendstunden. Hoffnung bringt Wind, eine kräftige Sommerbrise kräuselt die Oberfläche, die Lichtverhältnisse unter Wasser ändern sich und die Fische können auch bei Sonnenschein unerwartet plötzlich sehr munter werden.

Besser ist es aber, wenn man an trüben und bewölkten Tagen zum Angeln loszieht, an denen man selbst auch nicht so schwitzen muss. Vor allem Zander, die in der warmen Jahreszeit aktiv sind, lieben bekanntlich eher dunkle Sichtverhältnisse und sind so auch mal am Tag aktiv.  Beachten sollten Anglerinnen und Angler auch, dass in vielen Seen im Sommer in ca. 10-15m Tiefe eine Sprungschicht entsteht, unterhalb derer das Wasser kalt und sauerstoffarm ist. Tiefer zu fischen macht da wenig Sinn.

In den Sauerland-Seen ziehen die Fischschwärme nun auch vermehrt ins Freiwasser, wohin ihnen die großen Raubfische folgen. Die Hechte stehen früh morgens und abends oft draußen sehr flach und man fängt diese jetzt zuweilen in nur drei Metern Tiefe über z. B. 20m tiefem Wasser.  Erfolg verspricht nun vor allem das Angeln vom Boot aus, man schleppt Wobbler eher flach in 3-5m Tiefe oder sucht die Futterfischschwärme über der Sprungschicht und angelt vertikal auf die nahe bei ihnen stehenden Räuber. Beim Schleppen sollte man unbedingt das Setzen der roten Schleppfahne beachten, im Sommer nimmt der Freizeitverkehr durch andere Boote auf dem Wasser stark zu. Man schützt sich und andere!

Vom Ufer aus kann man nun morgens und abends den Barschen gut nachstellen, die ufernah oder etwas weiter draußen meist gut sichtbar die nun heranwachsende diesjährige Brut jagen. Kleine Wobbler an gut abgestimmten leichtem Gerät, mit dem man etwas weiter werfen kann, sind jetzt sehr fängig. In Ufernähe und in der Nähe von Wasserpflanzen finden sich nun auch riesige Schwärme kleiner Nachwuchsbarsche. Direkt bei ihnen stehen auch die nächstgrößeren Exemplare, die wiederum von den Großeltern verfolgt werden. 

Die beliebten Renken stehen nun wieder tiefer auf 10-12m Wassertiefe und sind daher für Uferangler oft nur schwer zu erreichen. Da die Zeit der großen Eintagsfliegen- und Mückenaufkommen vorbei ist, halten sie sich vermehrt an Plankton und Kleinlebewesen. Zuweilen beißen sie einfach nicht mehr auf die Nymphen. Doch auch im Sommer können gute Strecken gefangen werden. Manchmal hilft es, kleinere Hakengrößen von 16-18 zu wählen. Obwohl die Beißzeiten der Renken wirklich manchmal nicht vorhersagbar sind, scheinen die Morgen- und Abendstunden vielversprechender zu sein. Bei ausreichend nächtlichem Mondlicht fressen die Renken sich eventuell über Nacht voll und beißen dann morgens nicht mehr. Gut genährt versprechen die Fische spannende Drills an leichtem Gerät und sind auch in der Küche eine Delikatesse.

Und sollte es nun in der wärmsten Jahreszeit einmal nicht so gut laufen mit den Fischen, so kann man doch im Sommer herrlich morgens früh ganz in Ruhe fischen und die Stille und erwachende Natur genießen. Oder zum Abend in den Sonnenuntergang hinein.

 

 

Text u. Bilder Dr.Stefan Weigelt            10.08.2020